Presseberichte ber die Gedenkfeier 70 Jahre

Vorbericht in der Passauer Neuen Presse am 17. April 2015

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Großer Presseartikel in der PNP am 21. April 2015 von Bernhard Brunner

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PNP vom 21.04.2015      von Bernhard Brunner

"Das Schreckliche darf sich nicht wiederholen"

Zeitzeuge Pavel Kohn warnt bei Gedenken an Todeszug von 1945 vor dem Vergessen

 – Neuer Gedenkstein der IG Metall eingeweiht

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Erinnerungsbild mit einem Zeitzeugen: Bürgermeister Stephan Gawlik (r.) sowie (v.l.) Nikolaus Saller von der Arbeitsgemeinschaft und IG Metall-Sprecher Robert Scherer danken dem KZ-Überlebenden Pavel Kohn.

Nammering. Ein aufrüttelndes Signal zur Wach- samkeit gegenüber Intoleranz, Fremdenhass und Antisemitismus haben am Sonntagabend mehrere hundert Teilnehmer am Gedenkakt zu Ehren der im April 1945 am ehemaligen Bahn- hofsgelände ermordeten KZ-Häftlinge gesetzt. Die bewegende Veranstaltung war zugleich Mahnung gegen das Vergessen. Tief berührt zeigte sich der KZ-Überlebende Pavel Kohn. "Die, die es betrifft, sind nicht mehr hier, um sich zu bedan- ken. So bleibt es an mir, dies zu tun", sagte der 85-Jährige.

 

Auf über 400 schätzte Fürstensteins Bürgermeister Stephan Gawlik die Zahl der Menschen, die den 70. Jahrestag des schlimmsten Kriegsverbrechens in Niederbayern am Ort des Geschehens mitbegehen wollten – miterleben genau dort, wo während des fünftägigen Halts des Bahntransports von rund 4500 Häftlingen aus dem KZ Buchenwald mit Ziel Dachau 794 den Tod fanden. "Ich bin schwer beeindruckt", gestand Gawlik mit Blick auf den Besucherstrom zwischen dem bisherigen Mahnmal im Wald und dem neuen Gedenkstein der IG Metall nahe der Ortsdurchfahrt.

Zeitzeuge berichtet von seiner "Todesbahnfahrt"

 

Dort stellte der in Prag gebürtige Jude Pavel Kohn zu Beginn seines ergreifenden Vortrags klar, dass er nicht Mitleid erwecken wolle, sondern darüber sprechen, "was Menschen anderen Menschen antun können". Der Zeitzeuge, zusammen mit einer Cousine einziger Überlebender seiner Großfamilie, verglich den Horror des Nammeringer Todeszugs mit eigenen Erlebnissen während einer ähnlichen "Todesbahnfahrt" in das Ghetto in Theresienstadt. Von 15000 jugendlichen Häftlingen seien nur 150, darunter er, zurückgekehrt, erzählte der heute in Triftern lebende Publizist.

"Meine Transportnummer habe ich bis heute nicht vergessen. Sie lautete: 676", bekundete Kohn. Er schilderte die zwei- bis dreitägige Fahrt mit 5000 Leuten in Viehwaggons, darin kaum Platz zum Sitzen, nichts zu essen und zu trinken, erbärmlicher Gestank. "Viele sind beim Halt einfach herausgefallen."

Nach den insgesamt drei Transporten nach Auschwitz-Birkenau seien offenbar alle anderen vergast worden, so Kohn, der bei der Ankunft im KZ die Nummer A-299 eintätowiert bekam – mit der Folge, dass Namen nicht mehr benutzt wurden. Nachdem er seine Mutter für immer aus den Augen verloren hatte und nach dem Gang seines Bruders in die Gaskammer sei er mit gerade 15 Jahren auf sich allein gestellt zurückgeblieben.

Beinahe gespenstisch hallten die Worte Kohns über Lautsprecher die frühere Bahntrasse in Nammering entlang, als er den zweiwöchigen Todesmarsch über 150 bis 200 Kilometer – Tag und Nacht unter Aufsicht der Wehrmacht – nach der Verjagung aus dem Lager in Erinnerung rief. "Wer nicht mehr konnte, der wurde erschossen." Nach der Befreiung durch die US-Armee sei er mit einem Rotkreuz-Bus nach Prag zurückgekehrt und habe damals nur noch 30 Kilo-gramm gewogen. Seine Erlebnisse hat Kohn in Büchern für die Nachwelt aufbewahrt – gegen das Vergessen, "damit sich das Schreckliche nicht wiederholt".

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 "Damit sich das Schreckliche nicht wiederholt".

Dies war auch die zentrale Botschaft von Nikolaus Saller von der Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport 1945: die Erinnerungen wach halten, aber auch die Augen öffnen für gegenwärtige Aufgaben. Er sprach von einem "Ort des vielhundertfachen Sterbens von Menschen, die uns weder dem Namen nach und nicht einmal ihrer Volkszugehörigkeit oder Religion nach bekannt sind". Von ursprünglich 59 Waggons waren es in Nammering nur noch 54 – fünf mit Leichen hatte man unterwegs abgehängt. Saller würdigte die Courage des damaligen Bahnhofsvorstands Heinrich Klössinger und vor allem des Pfarrers Bergmann, der sich gegen alle Drohungen der SS um Essensspenden aus der Bevölkerung bemüht hatte. Unter Hinweis auf den Überlebenden Dr. Jercy Fajer, der heute in Oberaudorf lebt und vor drei Jahren eine Plastikblume am Birkenkreuz abgelegt hatte, wiederholte Saller dieses Zeremoniell am hinteren Gedenkstein.

In einer feierlichen Andacht gedachten Domdekan Dr. Hans Bauernfeind, der evangelische Dekan Dr. Wolfgang Bub, der katholische Ortspfarrer Dekan Christian Altmannsperger und der evangelische Pfarrer Thomas Plesch der Ermordeten von Nammering. "Als Kirchen verabscheuen wir die Gräueltaten der Nationalsozialisten", hob Bauernfeind hervor.

Fürstensteins Bürgermeister Stephan Gawlik stellte ein Blumenbouquet an das Mahnmal. Johann Pfeffereder aus Aicha vorm Wald entzündete dort wenige Augenblicke später ein Grablicht. "Ich gehe fast jeden zweiten Tag hier vorbei und frage mich immer wieder, wie so etwas geschehen konnte", sagt der Rentner.

Persönliches Gedenken: Johann Pfeffereder aus Aicha vorm Wald entzündet ein mitgebrachtes Grablicht am alten Gedenkstein für die Toten KZ-Häftlinge im Wald.

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    Das Gedenken der Nammeringer an die toten KZ-Häftlinge kennt viele Formen: Die IG Metall stellte nun einen Granitfelsen auf, links neben dem Rednerpult erinnerte ein Birken-Kreuz an die Opfer, wie es schon damals von einem Nammeringer aufgestellt wurde. − Fotos: Brunner

"Die Menschlichkeit mit aller Kraft zu verteidigen, das ist unser Auftrag – besonders an die Jugend", sagte Robert Scherer von der IG Metall in Passau, die besonders in Erinnerung an die vielen in den Konzentrationslagern umgekommenen Gewerkschafter und Sozialdemokraten den neuen Gedenkstein aus Granit aufstellen hat lassen. "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus", gab der Gewerkschaftssprecher als Devise aus.

"Lassen wir uns nicht hineintreiben in Hass"Neben den beiden noch verbliebenen Bahnschwellen, über die einst der Todeszug gerollt war und auf denen ein Kreuz aus Birkenholz stand – ähnlich dem Kreuz, das der Nammeringer Ludwig Gartner damals für die ermordeten Häftlinge auf der Totenwiese aufgestellt hatte –, appellierte Bürgermeister Gawlik an die Zuhörer: "Lassen wir uns nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen. Erst dann werden die Seelen der hier vor 70 Jahren unschuldig ermordeten 794 Menschen ihren Frieden finden."

Vom zweifellos dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte sprach Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. Er beleuchtete die besondere Verantwortung des Bezirks Niederbayern, da während der Nazi-Zeit Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung als minderwertig betrachtet worden seien. Gerade die aktuellsten Geschehnisse mahnten zu neuer Wachsamkeit und zu engagiertem Eintreten für die Menschenwürde, so Heinrich.

Dem Engagement der Arbeitsgemeinschaft KZ-Transport 1945, der Gemeinde Fürstenstein und der IG Metall zollte Landrat Franz Meyer Hochachtung. "Der Landkreis Passau und der Kreistag stehen an Ihrer Seite", versicherte Meyer und gab zu bedenken: "Wenn wir aus der Vergangenheit lernen, können wir in Gegenwart und Zukunft das Richtige tun."

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794 Lichter zum Gedenken an die Ermordeten säumen den neuen Gedenkstein, den die IG Metall aufstellen ließ. Eines der letzten Lichter entzündet Bürgermeister Stephan Gawlik

 

 

Bistumsblatt Passau   Bericht vom 3. Mai 2015

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