21. April 1985 Gedenkfeier 40 Jahre und Einweihung des Mahnmals

Am 40. Jahrestag, dem 21. April 1985, wurde das Mahnmal eingeweiht.

mahn85-00Friedensforum Fü - LogoZu dieser ersten größeren Gedenkfeier beim neu errichteten Mahnmal hat das Friedensforum öffentlich eingeladen. Es kamen viele Bürgerinnen und Bürger aus Nammering, Fürstenstein und aus weiterer Umgebung. Auch der inzwischen im Ruhestand befindliche Pfarrer Wagner war dabei. Die Einweihung des Mahnmals hatte der damalige Kaplan Martin Gastinger übernommen. Damals lag auch noch das Bahngleis da, wenn freilich kein Bahnbetrieb mehr stattfand.

 

Das noch ganz frische Mahnmal wurde von allen Seiten sehr gelobt und auch der ruhige etwas versteckte Platz im Wald wurde angenehm empfunden. Liegt er doch in der Mitte zwischen dem Bahngelände selbst und der sogenannten Totenwiese, die man weiter unten besuchen kann.

Texte wurden verlesen, die das brutale Vorgehen der SS Wachmänner und deren oft noch schlimmeren Kapos schilderten. Und manchen Besuchern waren diese Greueltaten noch nicht bekannt gewesen. Besonders beeindruckend war die

Schweigeminute - für jeden toten Häftling eine Sekunde

Das waren 13 lange Minuten, also fast eine Viertelstunde! Mitfühlen, Nachdenken, sich Überwinden und Durchhalten! Es waren lange Minuten, die uns aber nach dem Gehörten mehr sagten als langes Reden.

Das laute Ticken eines Metronoms zerhackte mit jedem Schlag die Stille.

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Ganz still war es auch unten in der Totenwiese. Besonders wenn  Alois Schmidt erzählte, wie er selbst die Toten ausgraben musste: mit bloßen Händen und der Gestank der verwesten Leichen.

Natürlich wußten auch noch einige andere Teilnehmer vom Hörensagen, wie die ganze Bevölkerung durch die aufgereihten  Toten gehen mußten.

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1985 war auch der 40. Jahrestag vom Kriegsende

Richard von Weizsäcker  - Ausschnitte der Rede zum 8. Mai 1985

zum 40. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa  hier ganz lesen

Wir Deutsche begehen den Tag unter uns, und das ist notwendig. … Wir brauchen und wir haben die Kraft, der Wahrheit so gut wir es können ins Auge zu sehen, ohne Beschönigung und ohne Einseitigkeit.

Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.  

Der 8. Mai ist ein Tag der Erinnerung. Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, daß es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Wir gedenken heute in Trauer aller Toten des Krieges und der Gewaltherrschaft. …

Schuld oder Unschuld eines ganzen Volkes gibt es nicht. Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich. Jeder, der die Zeit mit vollem Bewußtsein erlebt hat, frage sich heute im Stillen selbst nach seiner Verstrickung.

Jüngere und Ältere müssen und können sich gegenseitig helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten.Es geht nicht darum, Vergangenheit zu bewältigen. Das kann man gar nicht. Sie läßt sich ja nicht nachträglich ändern oder ungeschehen machen. Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.

Wir Älteren schulden der Jugend nicht die Erfüllung von Träumen, sondern Aufrichtigkeit. Wir müssen den Jüngeren helfen zu verstehen, warum es lebenswichtig ist, die Erinnerung wachzuhalten.  Wir lernen aus unserer eigenen Geschichte, wozu der Mensch fähig ist. Deshalb dürfen wir uns nicht einbilden, wir seien nun als Menschen anders und besser geworden.

Die Bitte an die jungen Menschen lautet:

Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder Türken,
gegen Alternative oder Konservative,
gegen Schwarz oder Weiß.

Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander. …

Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.

Richard von Weizsäcker