Totenwiese - Massengrab im Sumpf, Ausgrabung und alle müssen anschauen

794 KZ-Häftlinge blieben ermordet zurück

Es waren viele hundert Leichen da und diese mussten schnell beerdigt werden. Das  Verbrennen im nahegelegenen Steinbruch ging zu langsam. (Vor Gericht gab die SS später die Zahl von 270 verbrannte Leichen an.)

Ein Bauer empfahl die sumpfige Wiese neben dem Bahngleis. Die Häftlinge mussten den Sumpf für ein Massengrab ausheben.

Dann wurden mehrere Waggons mit den 524  Toten an die steile Böschung des Bahndammes geschoben und die Toten wurden einfach über das steile Gelände hinuntergeworfen und im feuchten Gelände verscharrt.

 

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524 Leichen wurden in der nahen Sumpfwiese vergraben und im Steinbruch verbrannte die SS nach eigenen Angaben ca. 270 Körper. So errechnet sich die Zahl von 794 Menschen, die hier zu Tode kamen.

Erst nach drei Wochen wurde den inzwischen angekommenen amerikanischen Soldaten dieses Massengrab bekannt. Sie befahlen, die bereits in Verwesung übergegangenen Toten auszugraben.

 Die Leichen wurden auf der Wiese nebenan in Reihen links und rechts ausgelegt und die gesamte Bevölkerung musste die toten Häftlinge ansehen und durch die Reihen gehen: es waren vor allem Frauen, Kinder, alte Männer.

Alois Schmidt war beim Ausgraben der bereits verwesenden Leichen dabei und hat so erzählt:

    Die wenigen Männer, die seinerzeit in Nammering waren begannen, die verscharrten Leichen auszugraben. Mit Schaufel und Spaten aus dem nahen Lager der uniformierten Arbeitsarmee der Organisation Todt (OT) gingen wir an die Arbeit.

    Jedoch nur wenige Opfer durften wir mit diesen Werkzeugen aus dem Morast herausholen. Damit wir mit den Geräten die Leichen nicht beschädigen, haben uns die amerikanischen Soldaten die Schaufeln und Spaten weggenommen. Mit bloßen Händen mussten wir eben dann im Schlamm herumwühlen, bis wir wieder auf einen Körper, auf eine Leiche stießen .   

    Wir haben diese Leichen in drei Reihen hingelegt auf der buckeligen Wiese. War einem der Korpus entglitten, musste man schon mehrmals und kräftig zufassen. Übrigens habe ich mich schon oft gefragt, ob wir wirklich alle Leichen gefunden haben.

Die ganze Bevölkerung aus Nammering und Umgebung musste zur "Totenwiese" und dort in einer Art Prozession durch die Reihen der Toten gehen. Die amerikanischen Soldaten zwangen alle Bewohner der umliegenden Dörfer - auch Kinder - bei Androhung der Todesstrafe durch die Reihen der  bereits verwesten Körper zu gehen.

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Wer hat den Amerikanern das Massengrab im Sumpf verraten? Nein, es war nicht dieses Kreuz. Erst nach 3 Wochen hatte der Captain Clifford E. Simmons am 9. Mai 1945 Kleider am Bahndamm und die nur leicht zugedeckten Leichen im Sumpf entdeckt. Er schreibt auch, dass 6 Frauen unter den Toten waren, zwei Frauen und einige Männer waren gut genährt, während die übrigen überaus abgemagert waren. Die meisten waren in den Kopf geschossen worden.  mehr (in Englisch)

Das Kreuz von Ludwig Gartner zeigten die Amerikaner besonders gern den Leuten zum Lesen.Man wollte ihnen vor Augen führen, welche Verbrechen sich in ihrer Nachbarschaft abgespielt hatten.  

Das große Entsetzen in den Gesichtern der Einheimischen wird sichtbar. Sie sind die grauenvollen Eindrücke vom bitteren Gang durch die langen Reihen verwesender Opfer ihr Leben lang nicht mehr losgeworden.

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Dieses Bild löste 2008 eine weitere Geschichte aus: Der Bub auf dem Bild ist Herr Manfred Reichart, der sich nach Erscheinen des Buches selbst und seine Mutter erkannte. Sie lebten damals als Flüchtlinge in Eging und waren auf der Totenwiese dabei. Er kam 2008 nach 63 Jahren wieder nach Eging zu Besuch.  Lesen Sie seine Geschichte hier

Weiter:    Grabstätten damals:  (Särge bringen und die Toten in 5 Friedhöfen beerdigen)