Weiterfahrt ber Passau, Pocking und Mnchen bis Dachau - noch 3 lange Tage!

StreckeSudEndlich nach 5 Tagen war das Bahngleis bei Kalteneck repariert, wo ein Wehrmachts- transport die Böschung hinun- tergestürzt war.

Nun konnte die Fahrt dieses Elendszuges weitergehen. Er wurde in zwei Teilen abgefah- ren am 24. April um 12 Uhr und danach der zweite Teil um 18 Uhr. Hier im zweiten Zug fuhr François Bertrand mit, der genaue Aufzeichnungen machte auf 3 Seiten Notizen.

Auch von dieser Fahrt bis Dachau ist von ihm einiges berichtet worden.

Eine erschreckende Episode auf der Strecke Passau - Pocking von  André Dematatis

25. April 1945

Nach dem Aufenthalt in Nammering trägt sich eine erschreckende Episode zu, bei der unser Kamerad André Dematatis (Buchenwald 44.551) jedoch auf unglaubliche Weise dem Tode entgeht. Hier sein Bericht:

 ,,Am Ende der Reise hält der Zug mitten auf einer geraden Strecke in ebenem Gelände. Zu beiden Seiten brachliegende Felder, keine Häuser kein Mensch weit und breit. Die SS-Männer befehlen uns, die Waggons zu verlassen. Wir haben uns auf den Schotter des Bahndammes zu knien, mit dem Rücken zu den Wachen, dann befiehlt der Befehlshaber des Transports oder einer der höheren SS-Grade den Wachen jedes Waggons, uns in den Rücken zu schießen. 

 Michel Vidal, der im selben Waggon war wie ich, hatte den Befehl verstanden, ich nicht. Als die SS-Männer sich weigern zu schießen, bekommt der SS-Chef einen furchtbaren Wutanfall, ruft: ,,dann knalle ich sie eben selbst ab.. und fängt an, mit seiner Maschinenpistole den Gefangenen der Reihe nach in den Kopf zu schießen.

Ich sah diese Szene sehr genau, denn mein Waggon war ganz nah bei der Lokomotive und dem Waggon, in dem der Chef der SS untergebracht war. Der Mörder kommt auf mich zu, hält mir die Pistole an die Schläfe und drückt drei- oder viermal ab. Keine Kugeln mehr im Magazin. Davongekommen! ... Er geht wieder in seinen Wagen und der Zug fährt weiter. Nur eine Kugel mehr, und ich wäre nicht mehr am Leben.”

(etwas gekürzt übernommen von Bertrand, Todeszug)

Weiterfahrt, Ankunft und Befreiung in Dachau

        Von Hans Hübl

Nach dem fünftägigen Aufenthalt in Nammering bewegte sich der Transport über Kalteneck - Passau auf der eingleisigen Strecke weiter in Richtung Pocking. KZ-Gedenkstätte Pocking 1989-03Noch waren die Leidensfahrt und das Sterben nicht zu Ende.

In Pocking wurde ein Transportteil von amerikani- schen Fliegern angegriffen, in der irrigen Meinung, dass es sich um einen Militär-Transport handle. Die Bombardierung kostete über 50 Häftlingen das Leben, 13 waren sofort tot; Verwundete Gefangene wurden durch die SS ermordet.

Einheimische fuhren zu dem am Rottwerk stehenden Transportteil Lebensmittel. Augenzeugen berichteten bei ihrer Heimkehr fassungslos von dem gesehenen Grauen. Pocking02Entlang der Strecke in Richtung Mühldorf wurden am Bahnkörper noch nach Tagen ermordete Häftlinge gefunden, die man offensichtlich aus dem fahrenden Zug geworfen hatte. Über Altötting kam der erste Teil-Transport in den Mittagsstunden des 27. April in Dachau an, Der zweite Teil kam um Mitternacht in der Nähe des Lagers Dachau an. Der Zug fuhr nicht in das Lager, er blieb noch 500 m davon entfernt stehen.